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Andreas Fogarasi. Nine Buildings, Stripped

Städte wandeln sich in vielerlei Hinsicht – ihre Größe, ihre politische Struktur, ihre demografische Zusammensetzung, ihre funktionale Rolle, ihre Identität sind ebenso veränderlich wie ihre äußere Erscheinung, ihr Volumen, ihre Oberfläche.

Andreas Fogarasi dokumentiert die Verwandlung der Oberflächen der Stadt Wien in einer in der Kunsthalle Wien gezeigten Reihe von neun Skulpturen, für die er sich Bruchstücke in jüngster Zeit abgerissener Gebäude wie auch Elemente der Neubauten, die an ihrer Stelle entstanden, zu eigen gemacht hat.

Architekturgeschichte wird in Fotografien, Beschreibungen, Bauplänen und manchmal auch Modellen konserviert. Im Gedächtnis der Allgemeinheit wie in den Sammlungen, wie sie mit der Thematik befasste wissenschaftliche Einrichtungen oder architekturbegeisterte Privatpersonen aufbauen, liegt das Hauptaugenmerk auf herausragenden Projekten, historischen Ensembles oder den Werken berühmter Architekten. Ein wesentlicher Aspekt eines Gebäudes, einer Stadt wird dabei allzu oft übersehen und verschwindet undokumentiert: seine, ihre haptische Oberfläche, Farbe, Haut. Das Projekt lenkt die Aufmerksamkeit auf ausgewählte Gebäude in Wien, die abgerissen werden, um für neue Bauten Platz zu machen, oder aber bis auf den Kern rückgebaut und dann mit neuen Innenausbauten und Fassaden versehen werden.

Für die Ausstellung sammelt der Künstler konkrete Gebäudeteile – solche, die entfernt werden, aber auch neue Bauelemente: Fassadenverkleidungen, Bodenfliesen, Bruchstücke von Fenstern und Türen, Material- und Farbmuster. Jedes Gebäude wird durch seine Materialien und Oberflächen vor und nach dem Um- oder Neubau dargestellt. So entsteht eine Reihe höchst abstrakter und zugleich durch und durch realistischer Skulpturen, die den Wandel der Gebäude (und der Stadt) dokumentieren.

Andreas Fogarasi (geboren 1977 in Wien) ist bildender Künstler und Mitherausgeber von dérive – Magazine for Urban Studies. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Institutionen gezeigt: Museo Tamayo, Mexiko-Stadt; Ludwig Museum, Budapest; New Museum, New York; Kunstverein Düsseldorf; Muzej suvremene umjetnosti Zagreb; CAC, Wilna; Frankfurter Kunstverein und Palais de Tokyo, Paris. Einzelausstellungen (u.a.): Georg Kargl Fine Arts, Wien (2017); Proyectos Monclova, Mexiko-Stadt (2016); MAK Center, Los Angeles (mit Oscar Tuazon); Galeria Vermelho, São Paulo; Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig; Haus Konstruktiv, Zürich (2014); Prefix ICA, Toronto (2012); Museo Reina Sofia, Madrid (2011); Ludwig Forum, Aachen (2010); Lombard-Freid Projects, New York und im ungarischen Pavillon auf der 52. Venedig Biennale (2007), wo er mit dem Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag ausgezeichnet wurde.

Kurator: Maximilian Geymüller