Call for papers

Jüdisches Kulturerbe und kulturelle Nachhaltigkeit

Einreichfrist: 18. April 2017

Call for Papers zur Internationalen Konferenz Jüdisches Kulturerbe und kulturelle Nachhaltigkeit; Basel 6.–8. September 2017


Die Konferenz „Jüdisches Kulturerbe und Kulturelle Nachhaltigkeit“ ist die zweite internationale Arbeitstagung des Netzwerks „Jüdisches Kulturerbe“ in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, TU Braunschweig, und dem Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Universität Basel.
Im Zentrum der Tagung steht die Frage nach dem Zusammenhang zwischen den Bestrebungen der Bewahrung des materiellen wie immateriellen jüdischen Kulturerbes seitens diverser Forschungseinrichtungen, Vereinen, Gemeinden und Museen etc., den damit einhergehenden kulturpolitischen Interessen zum Beispiel der UNESCO, welche 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes getroffen hat, und den praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Konzeptes der kulturellen Nachhaltigkeit. Im Kontext der wissenschaftlichen wie auch kulturpraktischen Auseinandersetzungen mit dem Kulturerbe der Menschen der Welt stellen Versuche zur Bewahrung, Rekonstruktion und Sichtbarmachung des jüdischen Kulturerbes in der Gegenwart – im Vergleich zu dem anderer Minderheitengruppen – zwar keine Ausnahme, aber doch eine besondere Herausforderung dar, so beispielsweise hinsichtlich der Diaspora-Erfahrungen von Juden und Jüdinnen und deren Auswirkungen auf die Konstruktion individueller wie kommunaler jüdischer Identitäten, welche sowohl im materiellen wie auch immateriellen jüdischen Kulturerbe zum Ausdruck kommen.

Vor diesem Hintergrund ist z. B. danach zu fragen
  • Wer – sprich: welche Individuen, Institutionen und Gemeinschaften – definiert in welchen Kontexten „jüdisches Kulturerbe“ wie und für welche Zielgruppen?
  • Und welche Auswirkungen nimmt dies nicht nur auf oft politisierte wissenschaftliche Diskurse rund um das Thema „Kulturerbe“, sondern auch auf kulturpolitische Entscheidungen und Strategien in Bezug auf die praktische Umsetzung der UNESCO-Resolution zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes? 
Vor diesem Hintergrund bietet die Konferenz die Möglichkeit, sich intensiv und kritisch mit dem Gebrauch des (im-)materielle Kulturerbe-Konzepte in jüdischen Zusammenhängen und damit einhergehend auch mit der Umsetzung von UNESCO-Konventionen in verschiedenen national-staatlichen Kontexten auseinanderzusetzen. Hierbei ist auch nach der Funktion jüdischer Museen, jüdischer Gemeindezentren sowie nationaler Organisationen im Kontext der Repräsentation jüdischer Kultur in Ausstellungen, auf Konzertbühnen, im Rahmen jüdischer Kulturtage und Festivals etc. zu fragen. Die Konferenz richtet ihren Fokus daher auf aktuelle Forschungen, die eine kritische Auseinandersetzung mit dem materiellen und insbesondere immateriellen jüdischen Kulturerbe suchen.

Eng mit den wissenschaftlichen wie auch kulturpolitischen Diskursen zum (im)materiellen Kulturerbe verbunden, hier jedoch deutlich weniger offensiv diskutiert, ist das Konzept der kulturellen Nachhaltigkeit (cultural sustainability), welches in Bezug auf den Umgang mit dem jüdischen Kulturerbe als eine Alternative zum UNESCO-Konzept des immateriellen Kulturerbes verstanden werden kann. Das Konzept der kulturellen Nachhaltigkeit stellt die diskursiven und dynamischen Prozesse des Bewahrens und Tradierens von kulturellen Äußerungen in den Vordergrund und legt den Fokus auf die Entwicklung neuer Impulse für Strategien einer erfolgreichen Praxis der kulturellen Nachhaltigkeit im Austausch zwischen Wissenschaftlern_innen und Gesellschaft, zwischen Theorie und Praxis.
Wir laden daher Referent_innen ein, die sich – im Sinne einer angewandten Kultur- und Geisteswissenschaft – gezielt mit der Anwendbarkeit des Konzeptes der kulturellen Nachhaltigkeit in Bezug auf das (im)materielle jüdische Kulturerbe auseinandersetzen. In diesem Kontext sind Auseinandersetzung zum Zusammenhang zwischen Maßnahmen zum Erhalt und zur Aufführung des jüdisch-musikalischen Kulturerbes (preservation and performance; Jewish music and sustainability) ebenso relevant, wie solche zu aktuellen Strategien der kulturellen Gemeindearbeit (community work and sustainability) oder der kulturellen Bildung (cultural education and sustainability; Jewish heritage education) etc. Auch Fragen nach den Auswirkungen des „going public“ jüdischer Organisationen und Vereinigungen, die sich dem Erhalt des jüdischen Kulturerbes widmen, in Bezug auf die Nachhaltigkeit ihrer Bestrebungen hinsichtlich der Bewusstseinserweiterung der jüdischen wie nicht-jüdischen Öffentlichkeit in Bezug auf Fragen des jüdischen Kulturerbes sollen hier diskutiert werden.

Der Aufruf richtet sich an Wissenschaftler_innen und Nachwuchskräfte verschiedener Disziplinen (beispielsweise aus den Jüdischen Studien, Musikwissenschaften, Kulturwissenschaften, Museologie, Archäologie, Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege u.a.m.), sowie Praktiker_innen in Museen, Gemeinden und Vereinen etc. Die disziplinäre Ausrichtung der Tagung ist bewusst offen gehalten, um einen fachübergreifenden und multiperspektivischen Diskurs zu ermöglichen.
Vorträge in englischer Sprache sind möglich. Eine Publikation der Vorträge ist geplant. Die Vorträge sollten nicht länger als 20 Minuten + 10 Minuten Diskussion sein. Eingereichte

Abstracts sollten folgende Angaben enthalten:
  • Title des Vortrags
  • Name des/der Autor_in
  • Ggf. institutionelle Anbindung
  • Abstract (max. 300 Wörter)
  • Emailadresse des/der Autor_in

Bitte senden Sie Ihr Abstract bis zum 18.04.2017 an sarah.ross@hmtm-hannover.de.

Benachrichtigungen bezüglich der Annahme des Vortrags und aller weiteren Informationen bezüglich Anreise und Übernachtungsmöglichkeiten in Basel werden Anfang Mai 2017 verschickt. Das Tagungsprogramm wird Ende Mai 2017 veröffentlicht.




Quelle: arthist.net