Call for papers

Holy Shit

Einreichfrist: 15. März 2017

Call for Papers zur Internationalen Doktorandentagung “Holy Shit”; Köln 29.–30. Mai 2017


HOLY SHIT
Erscheinungs- und Übertragungsformen des Heiligen
in Literatur und Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts

am 29./30. Mai 2017
Universität zu Köln

Das Heilige bezeichne stets etwas Unverfügbares, etwas, das den Bereich von Natur und Kultur transzendiere, liest man im Editorial der vorletzten Ausgabe des Archivs für Mediengeschichte zum Thema „Medien des Heiligen“. Diese Feststellung scheint auch Teil der Arbeit „The Problem of God“ des bildenden Künstlers Pavel Büchler zu sein, die unlängst den Titel für eine Ausstellung in der Kunstsammlung NRW gab, welche bis Januar 2016 in Düsseldorf zu sehen war: Das zwischen die Seiten eines Buches geschobene konvexe Vergrößerungsglas lässt es kaum zu, einen Blick auf den Inhalt des nicht weiter ausgewiesenen Werks zu erheischen. Nur ein Wort wird aus einem bestimmten Betrachtungswinkel zuweilen wahrnehmbar – „invisible“.

‚Heilig’ lässt sich vom lateinischen ‚sanctus’ herleiten, das so viel wie ‚umschließen’ und ‚umgrenzen’ bedeutet. All das also, was sich vor dem Umgrenzten, dem geweihten Ort (‚fanum’) befindet, wird als ‚pro-fanus’ bezeichnet. Etymologisch scheint somit die Grenzlinie zwischen Heiligem und Profanem eindeutig gezogen zu sein. Doch ist diese Grenzlinie tatsächlich so unzweideutig? Kann Profanes nie heilig werden und umgekehrt: Kann Heiliges nie profan werden? Die Doktorandentagung geht davon aus, dass man vielmehr von Profanisierungs- und Sakralisierungsbewegungen sowie verschiedenen Erscheinungsformen und Übertragungsweisen des Heiligen sprechen sollte, die sich auch über die religiösen Grenzen hinweg ereignen können. So ließe sich etwa Walter Benjamins Begriff der Aura vor diesem Hintergrund als eine Übertragungsweise des Heiligen in den Bereich der Kunst diskutieren, das im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit stets Gefahr läuft, ‚wegprofanisiert’ zu werden. Inspiriert von Rudolf Ottos Definition des Heiligen (titelgebend für die Studie „Das Heilige“ von 1917) als „Deutungs- und Bewertungskategorie“, die insofern irrational ist, als dass sie der „begriffliche[n] Erfassung völlig unzugänglich ist, (wie es auf ganz anderem Gebiete das ‚Schöne’ auch ist)“, sollen Operationen und Formen des Heiligen in Literatur und Kunst von 1900 bis in die Gegenwart untersucht werden. Vor der Folie (medien-)technischer Neuerungen wie etwa Radio, Film und Internet sowie einschneidender gesellschaftspolitischer Umwälzungen – insbesondere der beiden Weltkriege – wird gerade für diesen Zeitraum die Frage nach dem Heiligen spannend. Als theoretischer Eckpfeiler der Gegenwart sei Diedrich Diederichsens kürzlich erschienener Essay zu Entzauberung und Verzauberung (Oktober 2016) angeführt, in dem die Frage nach religiösen Anteilen in der Massen- und Popkultur mit derjenigen nach der Wirkungsweise ihrer Aufzeichnungsmedien verknüpft ist. So stellt Diederichsen etwa im Bezug auf das Medium der Fotografie für die Zeiten der ersten Tonfilme einen Star-Kult fest, der für seine Idolatrie auf den „Realitätseffekt des (bewegten) fotografischen Bildes“ setzt, um ihn „als Wunder zu präsentieren und mit dem Star-System eine neue Ordnung höherer Wesen zu etablieren.“

Mögliche Ansatzpunkte für Fragestellungen wären: Ab wann wird etwas heilig und wie gestaltet sich dieses Ereignis? Ist dieses Vorkommnis beispielsweise eines der Präsenz oder der Dauer; drückt das Erlebnis einen Wunsch nach Ferne oder Nähe aus? Was für Beschreibungsformen und Darstellungsmodi werden in den jeweiligen Texten und Kunstwerken angewandt, um Heiliges zum Ausdruck zu bringen? In der gleichen Weise können Übergänge und Transformationsbewegungen in den Blick genommen werden: Unter welchen Bedingungen vollzieht sich eine Sakralisierung des Profanen; wie findet auf dem umgekehrten Weg eine Banalisierung des Heiligen statt? Besitzt das Heilige ein Eigenleben oder ist es nur als Schwellenphänomen begreifbar?

Für die Länge der Vorträge sind 20 Minuten vorgesehen (plus 20 Minuten für die Diskussion). Doktorandinnen und Doktoranden werden gebeten, einen Abstract von max. 300 Wörtern einzureichen. Die Abstracts sollten Namen, Hinweise zur institutionellen Anbindung sowie die Email-Adresse enthalten. Eine Teilfinanzierung für Anreisen aus dem In- und Ausland wird angestrebt.

Einreichungen bitte bis zum 15. März 2017 an:
Daniela Doutch (Daniela.Doutch@uni-koeln.de) und Lena Hintze (hintzel@smail.uni-koeln.de)




Quelle: arthist.net