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CfP Homo homini lupus est? VERLÄNGERT

Menschenbilder und das Fremde: Interaktion und Wahrnehmung

Die lateinische Phrase homo homini lupus est ist eine verkürzte Version eines Verses aus der Komödie Asinaria des römischen Dichters Plautus. Dort heißt es im Wortlaut lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit oder im Deutschen: „Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist.“ Die aus dem 3. oder 2. Jahrhundert v. Chr. stammende exemplarische Verbildlichung menschlicher Interaktion mit dem Gegenüber verdeutlicht allzu trefflich das historisch kontingente Interesse an der Erforschung und Betrachtung des menschlichen Miteinanders. So avancierte die Sentenz im Verlaufe der Geschichte vor allem dort, wo menschliches Verhalten und Miteinander samt kultureller Begebenheit betrachtet wird, zu einem nahezu omnipräsenten Beschreibungsmuster.
Auf diese Weise kreierte bereits Plautus eine versinnbildlichte, mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit behaftete Darstellung des menschlichen Charakters – (s)ein Menschenbild. Die Vorstellungen und Erwartungen, die an das Menschlich-Sein gerichtet werden, korrelieren untrennbar mit den jeweiligen fundamentalen Eigenschaften und Handlungstendenzen, welche eine Gesellschaft sich selbst zuschreibt. Menschenbilder und die Auseinandersetzungen mit ihnen bilden folglich eine wichtige Basis für die Bestimmung dessen, was als normkonformes, normabweichendes oder „fremdes“ Verhaltensmuster beurteilt werden kann.
Der Begriff des Menschenbildes ist jedoch durch seine semantische Unschärfe charakterisiert, sodass sich unwillkürlich die Frage danach auftut, wie ein spezifisches Menschenbild entstehen kann und welche mentalen Komponenten für seine Konstruktion unabdingbar sind. Mehr noch: Wie kann ein spezifisches Menschenbild als solches erkannt werden und wie variieren jene Konstrukte kulturell, milieuspezifisch und zeitlich? In welchem Verhältnis stehen diese Konstrukte zu ihrer Umwelt? Inwiefern wird durch die Existenz oder Schaffung eines Menschenbildes immer auch ein Gegenüber geschaffen, als all das, was nicht zum Menschenbild gehört, ergo das Fremde oder Andere ist? Im Rahmen des geplanten Symposiums werden Menschenbilder als Konstruktionen betrachtet, die nach Bedarfslage, Zielsetzung und weltanschaulicher Orientierung variieren können.
Darüber hinaus will sich das Symposium der Frage widmen, wie differente fachliche und historische Kontexte die Ableitung eines Menschenbildes beeinflussen können: Inwiefern kann eine spezielle Kontextualisierung die Auslegung der oben vorgestellten Sentenz prägen?
Beiträge zum Symposium können sich sowohl mit konkreten historischen, gegenwärtigen oder möglichen zukünftigen Menschenbildern als auch mit dem Einfluss von Menschenbildern auf wissenschaftliche und künstlerische Arbeit oder ihrem sozialen Kontext befassen. Ebenso können Fallbeispiele präsentiert werden, welche verdeutlichen, auf welche Weise Menschenbilder gegenwärtiger Menschen von vergangenen Akteuren beeinflusst wurden und werden. Besonders willkommen sind Beiträge, die sich mit der räumlich-zeitlich übergreifenden Interaktion beschäftigen.
Dieser gedankliche Rahmen ermöglicht Doktorand*innen und Forscher*innen einen interdisziplinären Austausch. Primär möchten die Veranstalter*innen Nachwuchsforscher*innen ein Forum bieten, in dem sie ihre Projekte präsentieren und zur Diskussion stellen können. So können beispielsweise sowohl Textanalysen der Literaturwissenschaften und Religionswissenschaften als auch die Auswertung historischer Quellen der Geschichts- und Kulturwissenschaften herangezogen werden, um ihre anthropologischen Grundannahmen zu untersuchen. Ebenso sind Beiträge aus Disziplinen wie der Kunstwissenschaft und -geschichte, Philosophie, Archäologie u.a. willkommen.
Für jeden Vortrag sind 45 Minuten inkl. Diskussion vorgesehen.
Gerne können Vorschläge für Vorträge in Form eines Abstracts (halbe Seite samt Vortragstitel, Name, Anschrift und kurzem akademischen Werdegang) bis zum 18.07.21 eingereicht werden. Bitte senden Sie Ihren Vorschlag an pannek@muthesius.de oder cmuellerliedtke@roots.uni-kiel.de. Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, ohne einen Vortrag halten zu wollen, melden Sie sich bitte ebenfalls über oben genannte Adressen an.
Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Kontakt- und Ansprechpersonen für Fragen:
Sascha Boelcke, M.A.
sboelcke@roots.uni-kiel.de Gido Lukas, M.A.
glukas@roots.uni-kiel.de
Catharina Müller-Liedtke, M.Ed.
cmuellerliedtke@roots.uni-kiel.de Lisa Pannek, M.A.
pannek@muthesius.de
Dana Zentgraf, M.A.
dzentgraf@roots.uni-kiel.de